Impuls

Impuls für den Monat Juli

Wenn du etwas erleben willst,
das du noch nie erlebt hast,
musst du etwas tun,
das du noch nie getan hast.

“Lasst euch von ihm finden“

Geht in euren Tag hinaus

     ohne vorgefasste Ideen,

     ohne an Müdigkeit zu denken,

     ohne Plan von Gott, ohne Bescheidwissen über ihn,

     ohne Enthusiasmus,

     ohne Bibliothek -
     geht so auf die Begegnung mit ihm zu.

Brecht auf ohne Landkarte -

     und wisst, dass Gott unterwegs zu finden ist

     und nicht erst am Ziel.

Versucht nicht, ihn nach Originalrezepten zu finden,

     sondern lasst euch von ihm finden

     in der Armut eines banalen Lebens.

Madeleine Delbrél in: Deine Augen in unseren Augen. Die Mystik der Leute von der Straße, München 2014

 

 Foto: White77/pixabay

 

Impuls für den Monat Juni

Komm, Heiliger Geist

Sei du das Wort

von woanders her,

ein Wort wie ein Messer,

das Geistloses

aus mir herausschneidet,

ein Wort, das mich trifft

in Dämmer und Traum

und erblindeter Liebe,

ein Wort wie ein Lichtstrahl,

dem ich ausgeliefert bin,

nackt vor Wirklichkeit,

ein Wort wie Feuer,

das mich entzündet

und zu Asche verbrennt,

was dir im Weg steht.

 

Komm, heiliger Geist,

du geist-reiches

geistes-gegenwärtiges

be-geisterndes Wort,

komm,

erfülle mich,

mach mich wahr!

Hildegard Nies

Foto: R. Hirschmann

 

Impuls für den Monat Mai

Atem holen

Gebet ist Atemholen der Seele.
John Henry Newman

Atemschutzmasken.

Sie sind ein Anblick, an den wir uns gewöhnen müssen in diesen Tagen.
Sie sind ein Stück „neuer Normalität“.
Die Welt scheint durch ein Virus „aus den Angeln gehoben“. Unser Lebensgefühl ist in Frage gestellt und die Zukunft erscheint ungewiss. Wir haben eben nicht „alles im Griff“.

Grenzen werden uns gesetzt, Abstand sollen wir halten. Für diese Einschränkungen sind die Mund-Nasen-Masken ein wichtiges Symbol: Sie sollen Infektionen verhindern, d.h. vor allem andere schützen.

Doch sie schränken unser Miteinander mächtig ein:
Wir begegnen einander gewissermaßen maskiert. Zur Kommunikation
gehört auch die Mimik eines Gegenübers. Aber die ist größtenteils
bedeckt, nur Augen, Augenbrauen und Stirn sind sichtbar.

Und das Atmen fällt uns schwer unter diesen Masken.

 

Pfingsten – Heiliger Geist – Atem Gottes

Ende Mai feiern wir das Pfingstfest, das Fest des Heiligen Geistes. Der Auferstandene Jesus hatte seinen Freunden zum Abschied
versprochen: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.“ (Apg 1,8) Nach der Apostelgeschichte brach er wie ein Naturereignis auf die Apostel herein. (Apg 2,1-13) und veränderte sie und die Menschen um sie herum nachhaltig.

Der Geist Gottes ist belebender Geist. Geist im ursprünglichen Sinn ist bewegte Luft, Wind, Hauch und Atem. Ob jemand atmet oder nicht ist
Zeichen von tot oder lebendig. Atem holen – Innehalten, zur Ruhe kommen, Verbindung zum Atem Gottes aufnehmen.

Gottes Geist gibt uns Raum und Atem für die entscheidenden Fragen, die uns die Krise bewusst macht:
wie lebe ich?
Wer bin ich eigentlich?
Was trägt mich, wenn so vieles in Frage steht?

NEUEN Atem holen – auch mit Maske.


© pixelio.de / RKB by twinlili

Den Puls des eigenen Herzens fühlen. Ruhe im Inneren, Ruhe im Äußeren.
Wieder Atem holen lernen, das ist es.
Christian Morgenstern.

Impuls für den Monat März

Aufbruch

Ich wünsche dir den Segen der Stille,
Die dich vor dem Lärm des Tages schützt,
Und Dich vor der Hast der Termin bewahrt,
So dass Du zu Dir selbst findest.
Ich wünsche Dir den Segen der Stille,
Damit Du wieder Deinem Atem spürst,
Und im Schweigen auf Dich hören lernst.
Ich wünsche Dir den Segen der Stille,
Die Dich auf die Stimme Deines Schöpfers achten lässt,
Die Dir sagt, worauf Du achten sollst.

Heinz Pagels

© Pixelio / paulwip

GEBET

Der mich atmen lässt,
Bist du, lebendiger Gott.
Der mich leben lässt,
Bist du, lebendiger Gott.
Der mich schweigen lässt,
Bist Du, lebendiger Gott.
Der mich Mensch sein lässt,
Bist du, lebendiger Gott.

 

Impuls für den Monat Februar

Maskenfreiheit

Unter der Maske
gewinnst du
das eigne Gesicht.
Endlich
darfst du
die Rolle spielen,
die du dir wünschst.
Wie in den Träumen
deiner Sehnsucht.
Ohne Programme,
die dich
gegen dein Wollen
verfremden.
Endlich!
Freiheit
für ein paar Stunden
unter
der selbstgewählten
Maske.

Spielst du dich
glücklich?
Findest du dich
und den andern?

Unter der Maske
des Zwanges,
unter der Maske
des Wunsches,
bewahrt
GOTT dein Gesicht.

Christa Peikert-Flaspöhler,
in: diess., Füße hast du und Flügel, Kevelaer 1982

© pixelio.de /  Rosel Eckstein

GEBET
Herr, du kennst uns,
Du weißt um die Masken, die wir tragen
und hinter denen wir
unser wahres Ich verbergen.
Hab Dank,
dass Du uns annimmst, wie wir sind.
Lass Dein Gesicht über uns leuchten
und begleite unsere Wege an jedem Tag.
Amen.

 

 

Impuls zu Weihnachten

Die Hirten sagten: „Kommt, wir gehen nach Betlehem, wie uns die Engel
verkündet haben“ (Lukas 2,15)

In dieser nacht

In dieser nacht
verließen die Sterne ihre angestammten plätze
und zündeten lärmfeuer an
überschallschnell

In dieser nacht
verließen die hirten ihre Arbeitsstellen
und schrien sich in die verkrusteten hren
die neuen parolen

In dieser nacht
verließen die füchse die wärmenden höhlen
und der löwe wiegte den kopf
das ist das ende
die revolution

In dieser nacht
liefen die rosen der erde davon
und fingen das blühen an
im schnee

Dorothee Sölle, in: Meditationen und Gebrauchstexte, 1969

© pixelio.de / Kurt F. Domnik

Impuls für den Monat Dezember

Wege suchen im Advent - Zur Mitte finden

Das Labyrinth ist eines der ältesten Symbole der Menschheit. Auch in vielen großen Kathedralen und Klöstern wurde es angelegt. Kunstvoll gestaltet, schön anzusehen, aber auch zum Benutzen.

Eine meditative Übung, ein Weg zur Mitte, Konzentration im wahrsten Sinne. In aller Stille geht der Weg nach innen. Was außen war, verlangsamt sich.

Das Labyrinth ist kein Irrgarten. Ich laufe nicht gegen Wände und verrenne mich nicht in Sackgassen. Ich muss nicht verzweifelt suchen und nicht dauernd zurückgehen, um den richtigen Weg zu finden. Das Labyrinth ist barmherzig. Es ist einfach.

In ihm komme ich zur Ruhe. Es gibt nur einen Weg. Wenn ich diesen Weg gehe, komme ich nur im beständigen Voranschreiten, Schritt für Schritt zum Ziel. Nach einer Zeit bin ich in der Mitte angekommen. Es ging nicht mit dem Kopf durch die Wand. Selbst dann nicht, wenn ich ahnte, dass das Ziel ganz nah war. Es brauchte Geduld, wenn ich wieder an den Rand geleitet wurde, weit weg von der Mitte.

Das Labyrinth verlangt, dass ich auf dem Weg bleibe. Voller Erwartung. Im Grunde ein schöner Adventsweg, nach innen, schweigend zum Verheißenen, zum Licht.          

Frank Howaldt, in: Der andere Advent 2013/14        

       

Impuls für den Monat November

(Ermutigung für den) NOVEMBER

 

Das Jahr, es scheint jetzt fast geglückt.

Das trübe Wetter macht bedrückt.

Zudem ist jetzt geboten,

ein Gedenken an die Toten.

Der Sommer, ach er scheint so ferne,

die Kinder basteln jetzt Laterne

und ein Umzug findet statt.

Regen gibt es richtig satt.

Am Nachmittag schon Licht im Laden

und draußen wabern Nebelschwaden.

Marlies Kemptner, in: Die schönste Zeit ist heut, Eschbach 2017

Impuls für den Monat Oktober

Dankbarkeit ist
das Gedächtnis
des Herzens.
Jean-Baptiste Massillon (1663-1742)

Dankbarkeit


Der Garten ist dankbar. Die Mühe, die wir investieren, wird vielfach vergolten. Alle Gewächse geben ihr Bestes, wenn wir sie nur ein wenig pflegen.
Dankbarkeit vom Garten lernen heißt, dass wir auch denen, die für uns da sind, Freude zurückschenken; dass wir dort, wo wir leben, ein wenig Licht verbreiten und Wärme und Güte mitteilen.
Dankbarkeit ist heute selten geworden. Menschen haben viele Ansprüche und sie brauchen immer mehr.
Dankbarkeit macht dein Herz weit und froh und du bist nicht fixiert auf Dinge, die dich ärgern können.
Dankbarkeit schenkt dir neue Augen. Wer dankbar ist, hört auf gegen sich und sein Schicksal zu rebellieren. Das Maß meiner Dankbarkeit bestimmt das Maß meiner Lebendigkeit. Undankbarkeit lässt vieles vergessen und führt zur Unzufriedenheit.
Danken hingegen richtet das Herz richtig aus und heilt, was an Verletzung da ist.

Wolfgang Öxler, in: Münsterschwarzacher Bildkalender 2015

© Erzbistum Bamberg

 

 

Impuls für den Monat August

Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen
geb ich mich ganz in deine Hand.

Sei mein Heute,
sei mein Morgen,
sei mein Gestern,
das ich überwand.

Frag mich nicht nach
meinen Sehnsuchtswegen;
bin aus deinem Mosaik ein Stein.
Wirst mich an die rechte Stelle legen.
Deinen Händen bette ich mich ein.

Edith Stein, in: A.L. Balling, Die Erde mit dem Himmel verbinden, Würzburg, 2007

Impuls für den Monat Juli

Die neue Hoffnung

Es ist nicht zu leugnen: was viele Jahrhunderte galt,
schwindet dahin.
Der Glaube, höre ich sagen, verdunstet.
Gewiss, die wohlverschlossene Flasche könnte
das Wasser bewahren.
Anders die offene Schale: sie bietet es an.
Zugegeben, nach einiger Zeit findest du trocken
die Schale, das Wasser schwand.
Aber merke: die Luft ist jetzt feucht.
Wenn der Glaube verdunstet, sprechen alle
bekümmert von einem Verlust.
Und wer von uns wollte dem widersprechen!
Und doch: einige wagen trotz allem zu hoffen.
Sie sagen: Spürt ihr’s noch nicht?
Glaube liegt in der Luft!

(Aus: Lothar Zenetti, Auf Seiner Spur. Texte gläubiger Zuversicht
© Matthias Grünewald Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2011. www.verlagsgruppe-patmos.de)

Impuls für den Monat Juni

Über den Horizont hinaus schauen

 Ein Missionar auf einer Südsee-Insel suchte bei seiner Übersetzungsarbeit der Bibel in die einheimische Sprache nach einem Wort für HOFFEN. Lange plagte er sich ab, befragte die Ältesten – fand aber nirgends ein passendes Wort. Eines Tages starb ein Baby. Die Eltern und Verwandten beklagten seinen Tod und weinten bitterlich.

Da trat ein kleiner Junge auf den Pater zu und fragte ich: „Sag mal, warum weinst du nicht auch? Rührt es dich nicht?“

Der Missionar gab zur Antwort: „Doch es rührt mich sehr. Und ich empfinde starken Schmerz und viel Mitleid – vor allem mit den Eltern. Aber ich weiß auch: Wir werden uns einst wiedersehen; auch dieses Baby wird dann wieder bei uns sein. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Und das gibt mir Zuversicht. Das nimmt auch einen Teil meiner Traurigkeit. Verstehst du?“ - Der kleine Junge dachte lange nach, ehe er dem Pater antwortete: „Ach so; jetzt weiß ich auch, was ihr Christen tut. Ihr schaut über den Horizont hinaus!“

Der Missionar nickte nachdenklich – und plötzlich ging ihm ein Licht auf: „Ihr schaut über den Horizont hinaus!“ War das nicht ein Wort, eine wunderschöne Umschreibung für HOFFEN? Über den (menschlichen, irdischen) Horizont hinaussehen – trotz Leid und Tod?!

AUS: ADALBERT L. BALLING, ALLEIN DAS GUTE ZÄHLT, 75F.

 

Impuls für den Monat Mai

FEIERN DIE WÖRTER

Das Wort HOFFNUNG und das Wort VERTRAUEN
das Wort DANKBARKEIT und das Wort TREUE
FREIHEIT nenne ich und das Wort MUT
auch GERECHTIGKEIT und das große Wort FRIEDEN
und was wir Glück nennen GLÜCKSELIGKEIT
die unbegreifliche GNADE und das leise Wort GEDULD
und das Wort ERBARMEN ja davon lebe ich
Das Wort MUTTER und das Wort BROT
KIND sage ich mein VATER mein FREUND
und FREUNDLICHKEIT und GEBORGENSEIN
MEER sage ich und BAUM und HIMMEL
WOLKE und SIEBENARMIGER LEUCHTER
TRAUM sage ich und NACHT meine SCHWESTER
ich nenne die LIEBE und das zärtliche Wort DU
Feiern will ich die Wörter
von denen wir leben

Lothar Zenetti (1926 – 2019)

Bild: pixelio / Bernd Kaspar

 

Impuls für den Monat April

Stein um Stein…

und irgendwann unter den letzten Steinen

ein erster Glanz

ein erstes Scheinen

von neuem Leben

neuem Licht…

 

(Liedvers aus „Steine“ von Bosse)

 

Ein frohes Osterfest wünscht das Seelsorgeteam des KWM

 

 

Impuls für den Monat März

Es gibt Tage...

Es gibt Tage
da reicht mir ein Satz in der Zeitung
ein unfreundliches Wort auf der Straße
ein grimmiger Blick
und ich weiß
es ist dumm zu vertrauen
blind und wirklichkeitsfremd
zu glauben
dass Verwandlung möglich ist

Es gibt Tage
da reicht mir ein Satz in der Zeitung
ein freundliches Wort auf der Straße
ein liebevoller Blick
und ich weiß
es ist klug zu vertrauen
hellsichtig und lebensnah
zu glauben
dass Verwandlung möglich is

 

Impuls für den Monat Februar

GLÜCK 

Schon das kleine, das unscheinbare, genügt,
Gott:
Der Halm, der ohne zu fragen, grün wird
der dunkle Ruf der Ringeltaube,
die Seife, die Dusche, das Prickeln der Haut,
die Wolke am Morgenhimmel,
die heitere Zeitung,
das Geschrei der Spatzen,
das Hundegebell,
das Rumpeln und Scheppern der  Kübelmänner,
Kaffeegeruch,
das offene Fenster,
Luft in den Lungen, kein Asthma, kein Kopfschmerz,
kaltes Wetter, Schnee auf den Fichten,
die Uhr, der Postkartenbote:
Gruß aus Colombo,
die Stimmen der Kinder, ihr Auge,
ihr furchtloses Wort.

 Rudolf Otto Wiemer

 

Impuls für den Monat Januar

Losgehen

Die Verheißungen des Morgens atmen.
In der Stille des Unberührten aufbrechen.

Schlafende Häuser hinter sich lassen.
Wind im Gesicht spüren.

Dem neuen Jahr entgegenlaufen.
Mit eigenen Schritten hineinwandern.

Bekannte Wege wie Neuland erkunden.
Ins Weite wollen.

Dem Ungewissen vertrauen.
Aus der Dunkelheit heraustreten.

Auf den Beginn setzen.
Mit den Knospen rechnen.

Gottes Himmel offen sehen.
Alles für möglich halten. 

Anfangen

Inken Christiansen, in: Der Andere Advent 2015/16

 

Foto: White77/pixabay