Impuls

Impuls für den Monat Juli

Regenbogen - Hoffnungszeichen

Dass man sich um einen Regenbogen streiten kann, konnte ich mir bisher kaum vorstellen.

Aber doch ist es vor wenigen Wochen zu einem Eklat über dieses Symbol gekommen. Beim EM-Spiel der deutschen Mannschaft gegen Portugal trug der deutsche Torwart Manuel Neuer als Kapitän eine Armbinde in Regenbogenfarben. Als persönliches Zeichen für mehr Toleranz. Der Fußballverband UEFA kündigte ein Verfahren gegen ihn an. Er drohte mit Strafe, weil ein Spieler ein Zeichen gegen Diskriminierung setzte.

Daraufhin kündigte die Stadt München an, beim Spiel der Deutschen gegen Ungarn die Allianzarena in Regenbogenfarben zu beleuchten. Der Fußballverband verbot die Aktion; es hieß, man müsse weltanschauliche und politische Neutralität wahren. Was ist am Regenbogen so gefährlich und politisch?

Viele Menschen verstehen ihn als Zeichen für Offenheit, Toleranz und gegen Hass und Ausgrenzung. Dazu gehört auch die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Und das hätte man als Zeichen des Protestes gegen Diskriminierung von Minderheiten in Ungarn unter Viktor Orban verstehen können.

Doch der Regenbogen steht nicht für Provokation, sondern für einen Bund. In den Diskussionen wird der biblische Ursprung des Symbols gern übersehen. Es geht auf die Geschichte von der Arche Noah zurück. Gott straft die Menschen für ihre Bosheit mit einer Sintflut (Buch Genesis, Kap. 6-9). Noah findet Gnade, baut die Arche und kann sich retten. Und Gott ändert seine Haltung: Nie wieder will er die Erde verfluchen. Der Regenbogen steht für diesen Neuen Bund. Wörtlich heißt es: „Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde.“ (Gen 9,14)

Dieser Text ist der Kern für das Symbol des Regenbogens: Zeichen der Verbindung von Himmel und Erde. Ausdruck für Neuanfang, für eine Zukunft in Frieden, für Toleranz und eine Welt, in der die verschiedenen Lebensformen und Lebenseinstellungen nebeneinander und miteinander existieren können.

Der UEFA scheint es weniger um Völkerverbindung und Menschenrechte, sondern hauptsächlich um Geschäfte zu gehen, wenn sie den Protest von Autokraten fürchtet, aber ein Votum für Toleranz verbietet.

Das Spiel gegen Ungarn endete als glanzloses Unentschieden. Eine Zitterpartie mit sintflutartigem Regen – aber auf den Tribünen waren viele tausende Regenbögen zu sehen, auf Fähnchen oder als Mundschutz.

Die Toleranz mit dem Regenbogensymbol hat viele Fürsprecher und sie darf sich auf ihren biblischen Ursprung besinnen. Sie steht den Christen gut zu Gesicht. Friedliches Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Neigung und Einstellung hat eine Chance.

Vgl. Matthias Viertel, Morgenandacht im DLF vom 24.06.2021


In einem Liedtext eines ostdeutschen Christen aus dem deutschen Wendejahr 1989 heißt es:

  1. Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist,
    weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt.
    Seit leuchtend Gottes Bogen am hohen Himmel stand,
    sind Menschen ausgezogen in das gelobte Land.
  1. Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit!
    Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid.
    Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht,
    der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.
  1. Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt!
    Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.
    Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit.
    Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit!

Text: Klaus Peter Hertzsch, 1989

 

Impuls für den Monat Juni

Erschreckende Schönheit des Lebens
zu Zeiten hat sie ihren Fuß
auf meine Kehle gesetzt
bis ich keuchte und kämpfte,
ungewiss, ob ich Kraft noch hätte
für einen einzigen Atemzug mehr.

Ich rufe zu dir
mit tonlosen Worten,
wandere inmitten
deiner tief verwurzelten Bäume,
deiner Hügel und Wiesen,
Tannennadeln weich unter meinen Füßen.

Umarmt von dieser
geliebten Erde,
mein schmerzendes Herz,
meine zerbrochene Seele
werden besänftigt,
getröstet.
Ich bin nach Hause gekommen.

Diane d‘Souza, Indien, in: Komm, Heiliger Geist, in unsere Herzen, Heilsame Gedanken . Segenswünsche, Missio, Aachen 2019, 19

Impuls für den Monat Mai

Kirche

Ein Rebstock tot und vertrocknet
Blüht auf im Frühling
Mit sattem Grün
Tief in den Kellern
Reift ein Wein
Bekommt Blume
Und Farbe
Ein Ölbaum
verbrannt in trockener Erde
treibt sein silbrigen Blätter 

Kirche  

Was zart ist, wächst
Was tot scheint, reift
Wenn Gott will
Blühen die Steine
Reifen die alten Gemäuer 

Kirche           

Roland Breitenbach, Eine kleine weiße Feder, Schweinfurt ³1995, 79

Impuls für den Monat April

Kreuz und Auferstehen

In Not und Tod gefangen,
wir rufen, Herr, zu dir;
lass uns Gehör erlangen,
schließ auf dein’s Herzens Tür.

Dein Kreuz, das du getragen
und das dich trug im Tod,
lass, Herr, die Arme schlagen
auch über unsre Not!

Herr, lass uns auferstehen,
wie du erstanden bist,
den Himmel wieder sehen,
der deine Gnade ist!

Dein Reich, o Herr, wird kommen,
wenn diese Welt vergeht
und wenn das Heil der Frommen,
dein Kreuz, am Himmel steht.

(Quelle unbekannt), aus: TeDeum 04/2021, 271f.

Impuls für den Monat März

Esperanza – Hoffnung

Wenn der Sturm vorüber sein wird
und die Straßen besänftigt
und wir die Überlebenden
eines kollektiven Schiffbruchs sein werden

Mit Tränen im Herzen
und Segen auf unserem Schicksal
dann werden wir Freude spüren
nur weil wir am Leben sind

Und dann werden wir uns erinnern
An alles, was wir verloren haben
Und wir werden endlich lernen
All das, was wir nie gelernt haben

Wir werden mitfühlender sein
Wir werden, was allen gehört, mehr schätzen
Wir werden großzügiger sein
Und viel engagierter

Und alles wird ein Wunder sein
Und alles wird ein Vermächtnis sein
Und das Leben wird geachtet werden
Das Leben, das wir gewonnen haben.

Alexis Valdés, Kubanischer Dicher / Übersetzung: P. Bernd. Hagenkord SJ
zitiert aus dem Buch "Wage zu träumen. Mit Zuversicht aus der Krise" von Papst Franziskus (Kösel-Verlag, 2020)

Impuls für den Monat Februar

Wehklagen – Wegfragen (In Zeiten der Krise)

Wo ist der Weg?
Wo ist mein Weg?
Was ist mein Weg?
Wie soll es gehen? 
Wie soll ich gehen?

Fragen 
Klagen 
Plagen

Der nächste Schritt 
vielleicht 
wär`klar.

Ist das genug? 
Es fehlt Gewissheit, 
Richtung, Ziel 
und Klarheit.

»Seltsam, im Nebel 
zu wandern … «

Ich bin verwirrt, 
verirrt, 
ob so vieler Wege, 
die alle gehen

Alle gehen irgendwie - 
irgendwohin. 
Welcher ist richtig?
Oder ist die Frage 
falsch gestellt?

Führen alle »nach Rom«? 
Oder zu Gott? Wer ist das – und wo? 
Oder geht es ums Gehen? 
Und Weg wird im Gehen?

Wege wagen - 
vage Wege wagen? 
Weiß denn keiner Antwort?

Naja, Sie sagen: 
»Es« wird schon gehen, 
schon gut gehen. 
Aber ich bin es doch, 
der gehen muss: 
Abschied vom Hier - 
Abschied vom Heute - 
Weg-gehen. 
Meinen Weg gehen.

Ins neue, 
offene, 
unbekannte, 
unwegsame, 
noch unbetretene Land 
der Hoffnung. 
Beim Gehen merk‘ ich: 
Es geht.

 

Hans Gerhard Behringer, in: Kath. Sonntagsblatt Rottenburg-Stuttgart, Nr.10/2020,

Impuls für den Monat Januar

Ein neues Jahr beginnt … Ein Psalm.

Ich bin vergnügt
Erlöst
Befreit
Gott nahm in seine Hände
Meine Zeit
Mein Fühlen Denken
Hören Sagen
Mein Triumphieren
Und Verzagen

Das Elend
Und die Zärtlichkeit

Was macht dass ich so fröhlich bin
In meinem kleinen Reich
Ich singe und tanze her und hin
Vom Kindbett bis zur Leich

Was macht dass ich so furchtlos bin
An vielen dunklen Tagen
Es kommt ein Geist in meinen Sinn
Will mich durchs Leben tragen

Was macht dass ich so unbeschwert
Und mich keine Trübsinn hält
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
Wohl über alle Welt.

 

Hanns Dieter Hüsch, aus: Ich stehe unter Gottes Schutz, Düsseldorf 1996

Impuls für den Monat Dezember

Advent – Leuchtturmzeit …

Leuchttürme wirken ausgesprochen beruhigend. In steter
Regelmäßigkeit blinken sie ihr Licht in das Dunkel hinaus.
Wer unterwegs ist, kann seine Position bestimmen -
Und wer zu Hause ist, weiß, dass da einer wacht.

Das ist Advent.
Mich am Licht neu ausrichten – und gewiss sein,
dass einer da ist.

Aber ein Leuchtturm ist kein Hafen. Das Licht, das mir den
Weg weist, das mir die Zusage gibt, dass da einer wacht, will
nicht mein Angekommen-Sein, sondern meinen Aufbruch,
mein Weitergehen!

Das ist Advent.
Ein Licht im Dunkel, das mir den Weg weist, das mir sagt, da
gibt es einen, der Wache hält.

(Auch) Weihnachten heißt nicht, angekommen zu sein,
sondern neu aufzubrechen – weil es ein Licht gibt, das mir
den Weg weist.

Das ist Advent – dieses Licht und seine Botschaft
wahrzunehmen. Und sich für den Aufbruch bereit zu machen.

Wohin möchten Sie gehen?

Andrea Schwarz, in: Gib dem Engel eine Chance, Freiburg 2013

Impuls für den Monat November

Heimat, wenn der Winter naht...

Obwohl wir Gott nie gesehen haben,
sind wir wie die Zugvögel, 
die an einem fremden Ort geboren, 
doch eine geheimnisvolle Unruhe empfinden, 
wenn der Winter naht. 
Eine Sehnsucht nach der frühlingshaften Heimat, 
die sie nie gesehen haben
und zu der sie aufbrechen, 
ohne zu wissen, wohin. 
 
Ernesto Cardenal, Dichter und priester aus Nicaragua (1925 - 2020) 
in: ders., Das Buch von der Liebe, Wuppertal 2004

Impuls für den Monat Oktober

Nimm und lies!

Augustinus hörte einst
- unmittelbar vor seiner Bekehrung -
Eine Stimme,
Die ihm zurief,
Die Heilige Schrift zu nehmen und zu lesen.
"Nimm und lies!"
Nicht zu lesen, um Informationen zu erwerben,
Sondern um den Sinn des Lebens zu finden.
 
Jedes Lesen, jedes Erfassen von Sinn,
und sei es der Sinn einer ganz einfachen Geschichte,
kann auf dieses tiefere Lesen verweisen:
das Sammeln jenes Sinnes,
der unser Leben trägt und in dem wir gesammelt,
auf-gelesen werden.
 
Holger Zaborowski, in: CHRIST IN DER GEGENWART 2013; Nr. 3
 

© Sasin Tipchai auf Pixabay

Impuls für den Monat September

Impuls am Ruhepunkt auf dem "Rheingauer Klostersteig"

Ich habe mir abgewöhnt, Herr,
an große Wunder zu glauben,
solche, die die Welt verändern,
die alles rund und glücklich machen…

Ich habe sie entdeckt,
die Wunder, die kleinen, in jedem Tag,
in jedem Augen-Blick, in jeder Farbe der Natur, sogar in mir!
Das ist meine Entdeckung:
Ich freue mich, dass ich bin,
dass ich so bin durch IHN und mit IHM und in IHM,
meinem Bruder und Herrn.

Kurt Weigel, Priester, *1950

 

Impuls für den Monat August

 

Loslassen

Was macht Gott, wenn wir ihn bitten? Es passiert „Loslassen“!

Ich nehme mir eine Person, stelle sie mir innerlich vor Augen, zum Beispiel, wie ich sie zuletzt gesehen habe. Vor ein paar Tagen oder vor längerer Zeit schon. Mit der Schönheit, aber auch mit der Sorge, was auch immer.

Stelle sie mir vor, stelle sie vor mich. Stelle mich dazu, und dann nehme ich diese Person und gehe mit ihr zu Gott. Und lasse sozusagen das Licht Gottes auf diese Person scheinen.

Ich vertraue darauf, dass es bei Dir in guten Händen ist. Dieses Anliegen, oder eben diese Person. Das Schwierigste ist das Loslassen. Weil ich will ja was. Ich möchte ja was. Ich möchte ja, dass dieser geliebte Mensch wieder gesund wird, dass der Scheißkrebs weggeht, dass… Keine Ahnung, es gibt so viele Anliegen. Dass Frieden wird…

Das loszulassen, das ist Übung. Immer wieder Übung. Darauf zu vertrauen, dass Gott es richtet.

Johannes Siebner SJ (Jesuit, Provinzial der Deutschen Provinz, 1961 -2020, im Juli 58-jährig gestorben. Im Januar wurde bei ihm überraschend ein Hirntumor entdeckt; in einem Video auf katholisch.de),
zitiert nach: CHRIST IN DER GEGENWART Nr. 30 /2020, 329

Foto: Tegula / Pixabay

Foto: Tegula auf Pixabay 

Impuls für den Monat Juli

Wenn du etwas erleben willst,
das du noch nie erlebt hast,
musst du etwas tun,
das du noch nie getan hast.

“Lasst euch von ihm finden“

Geht in euren Tag hinaus

     ohne vorgefasste Ideen,

     ohne an Müdigkeit zu denken,

     ohne Plan von Gott, ohne Bescheidwissen über ihn,

     ohne Enthusiasmus,

     ohne Bibliothek -
     geht so auf die Begegnung mit ihm zu.

Brecht auf ohne Landkarte -

     und wisst, dass Gott unterwegs zu finden ist

     und nicht erst am Ziel.

Versucht nicht, ihn nach Originalrezepten zu finden,

     sondern lasst euch von ihm finden

     in der Armut eines banalen Lebens.

Madeleine Delbrél in: Deine Augen in unseren Augen. Die Mystik der Leute von der Straße, München 2014

 

 Foto: White77/pixabay

 

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